am 29.09.2020 von Wolfgang Weiler

Wir machen es trotzdem! – Auftakt zum #DCHH20

Großartig. Spitze. Einzigartig. Lobenswert. Mut machend. Und "in Corona-Zeiten absolut beispielgebend": Das Urteil der Touristiker, Hoteliers, Dienstleister, Berater und Wissenschaftler zum Auftakt des 10. DestinationCamp hätte positiver nicht ausfallen können. "Danke, dass netzvitamine Mumm genug hatte, an der Veranstaltung festzuhalten."

Trotz Corona und der umfangreichen Sicherheitsauflagen haben fast 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Dienstag den Weg nach Hamburg gefunden.

Noch am Montagnachmittag musste das Programm den neuen Sicherheitsauflagen des zuständigen Gesundheitsamtes der Hansestadt angepasst werden, die geänderten Booklets für die Lanyards der Teilnehmer kamen erst 45 Minuten vor Einlass an. Druckereichefin Christine Schöler brachte sie persönlich im ICE nach Hamburg: "Vier Mal haben wir nun neu gedruckt!"

Die größte Änderung: In der Nacht von Freitag auf Samstag musste das Prinzip des DestinationCamp den neuesten Corona-Bestimmungen "geopfert" werden. Die Teilnehmer können nicht mehr frei zwischen den 18 Themen der 6 Moderatorenpaare wechseln. Sie legen sich mit der 1. gewählten Session fest für den Raum und die Gruppe, in der sie am Mittwoch 3 zweistündige Themenblöcke und am Donnerstag die Kreativwerkstatt gestalten wollen. Ein Wechsel zwischen den Räumen ist nicht möglich.

Pauschalreise statt individueller Themenwahl

Rund 40 Prozent der Teilnehmer waren zum ersten, andere zum wiederholten Mal beim DestinationCamp, etwa 10 Prozent sogar häufiger als 5 Mal. Aus der gewohnten Individual-Reise der Vorjahre, in der sich jeder seine Themen selbst zusammenstellen konnte, wurde in diesem Jahr aufgrund der Corona-Verordnungen kurzfristig eine "Pauschalreise": Eine Buchung, ein festgelegtes Programm. Manche Teilnehmenden fühlten sich dadurch sogar entlastet:

Ich suche mir ein oder zwei Themen aus, die für mich wichtig sind und nehme mit, was sonst noch geboten wird.

Corona war es auch geschuldet, dass das DCHH nicht wie geplant im April in den Räumen der Handelskammer Hamburg sein 10. Jubiläum einläuten konnte, sondern vom 29. September bis 01. Oktober in den Räumlichkeiten der Trabrennbahn Bahrenfeld im Hamburger Westen. Die Weitläufigkeit der Anlage, die Größe der Tribünenräume, der Wettbüros und des Pressecenters ermöglichten es dem Veranstalter netzvitamine, die strengen Corona-Auflagen der Hansestadt einzuhalten.

Erst Temperaturmessung, dann Einlass

Mittags trainierten noch die Traber im Sulky für das nächste Derby. Im Wettcenter, in den Tribünen und Lounges sah es chaotisch aus. Es wurden Abstände geprüft, Tische gerückt, Stühle nummeriert – und ab 16.30 Temperatur gemessen: Die ersten Teilnehmer nahmen am Eingang zur Trabrennbahn ihre Lanyards und ihre Hygienesets mit Maske und persönlichem Desinfektionsspray entgegen. Die wärmende Spätsommersonne sah viele noch in regem Gespräch und fröhlichem Wiedersehen im Außenbereich des langgestreckten Tribünenbaus, als kurz vor 18 Uhr der DestinationCamp-Jingle von Vargo zur Eröffnung ins Kuppelzelt rief.

"Challenge accepted" ist das Leitmotto des DestinationCamp 2020. Das Thema wird traditionell als Ergebnis des Vorjahres-DestinationCamp festgelegt.

Niemand von uns konnte sich vorstellen, wie sehr dieses Motto auf die aktuelle Situation zutrifft,

sagte Talkmaster Bernhard Lingg, der durch den Abend führte. Bilder und Videos aus den Vorjahren stimmten die Teilnehmer unter der Kuppel der silberstern-Arena ein. Sicherheitsbestimmungen wurden verkündet, Abstandsregeln erläutert, die Stühle standen weit auseinander. Dennoch war die Stimmung gut, wenn auch nicht so ausgelassen euphorisch wie üblich. Doch das Catering der Trabrennbahn, die Weine aus Rheinland-Pfalz, die Biere der Hamburger Block-Brauerei und das herb-frische Braugetränk Focus von Inju sorgten zusammen mit dem anregenden Emotional Sounddesign von Vargo für einen gesprächig-fröhlichen Ausklang.

Keynote "Wir machen es trotzdem!"

Ungewöhnlich aber passend: Die Keynote setzte dieses Mal quasi den Schlusspunkt unter den "offiziellen" Teil des Eröffnungsabends. Gehalten wurde sie von Peter Kowalsky, dem Braumeister aus dem fränkischen Ostheim vor der Rhön, der mit Mutter, Stiefvater und Bruder 1995 die Bionade GmbH gründete. Das Thema der Keynote: "Wir machen es trotzdem!" Peter Kowalsky:

Challenge accepted als Motto des DestinationCamp20 ist ebenso treffend: Wir haben die Herausforderung angenommen.

In einem 10 Jahre dauernden Prozess erfanden sie Bionade zur Rettung der überschuldeten Familienbrauerei. "Am Ende waren wir sogar überrascht, als es endlich gelang." In weiteren 5 Jahren fanden sie jedoch keinen nennenswerten Kunden. Kowalsky:

Wir wollten eine möglichst zuckerfreie gesunde Kinderlimo brauen – aber keiner wollte sie. Wir wollten damit so groß werden wie Fanta, aber wir wussten nicht wie groß das war.

Als dann nach 15 Jahren die Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowsky mit ihren 80 Filialen Interesse bekundete und die "Kinderlimo" für Hipster, Studenten und Werber vermarkten wollte, verweigerte sich die Familie lange Jahre. Peter Kowalsky: "Dann haben wir uns überlegt: Ok, wir verkaufen die Limo an Hipster. Irgendwann haben die auch Kinder und dann verkaufen wir die Limo wieder an Kinder. Wir haben weiterhin mit Schulklassen gearbeitet, Bäume gepflanzt, Schulen unterstützt – und das fanden die Hipster toll."

Erstmals nach 20 Jahren eine ausgeglichene Bilanz

20 Jahre nach Gründung der Bionade GmbH schrieb die Firma erstmals keine roten Zahlen mehr.

Bis dahin hatte ich sieben Gerichtsvollzieher kennengelernt, die waren alle nette Menschen.

2005 wurden rund 2 Millionen Flaschen Bionade verkauft, 2007 waren es bereits 200 Millionen Flaschen. "Da waren wir tatsächlich so groß wie Fanta!" Aber dann übernahm ein Großkonzern, den Namen nennt Kowalsky nicht, 2009 die Anteile eines in Schieflage geratenen Bionade-Gesellschafters. "Wir waren jetzt Teil eines Konzerns und haben drei Jahre lang keinen gemeinsamen Weg und keine Verständigungsebene gefunden."

Statt den angebotenen Rückkauf der Bionade-Anteile zu akzeptieren, stellte der Konzern 2012 die Familie in einem klassischen Squeeze-out-Verfahren kalt. "Innerhalb von drei Wochen waren wir draußen, 350 Mitarbeiter verloren, kein Dienstwagen mehr, keine üppigen Gehälter, nichts mehr, nur noch Anfeindungen."

Was macht mich eigentlich aus?

Authentisch und mit trockenem Humor reflektiert der Keynotespeaker was dann kam: persönliche Krisen, Selbstzweifel, Suche nach Halt, nach Motivation. "Was ist das, was mich ausmacht?"

Das Ergebnis: Die INJU Natural Cell Tonics in Berlin, eine Alternative zu konventionellen Energy-Drinks, mit natürlichen Bio-Zutaten, minimalem Zuckergehalt. Ein klima- und wasserneutral erzeugtes Getränk aus Wurzeln für den modernen Menschen auf der Suche nach Halt und Bodenhaftung.

Wir brauchen heute weniger Flügel, sondern mehr Wurzeln.

Kowalskys Lehren aus den letzten 25 Jahren mögen trivial klingen, als Schlusspunkt seiner aufrichtig und authentisch anmutenden Erzählung überzeugten sie die Zuhörer ebenso wie als Impuls für das #DCHH20:

  • es kann dauern (bei uns 25 Jahre)
  • es kommt immer anders als man denkt (das ist auch gut so)
  • manchmal muss man das „Alte“ loslassen, dass sich das „Neue“ zeigen kann (Wir mussten uns erst von der Brauerei trennen)
  • hör auf Dich und nicht so sehr auf andere (Du weißt am besten, was für Dich richtig ist)
  • man weiß nie, wann die Zeit reif ist (Innovationen brauchen das richtige Umfeld)
  • es muss sich ein Bewusstsein in der Gesellschaft für ein Thema bilden (Die Leute müssen verstehen, was sie wollen und was Du willst)
  • Fehler machen es größer als man es gedacht hat (sie sind unbedachte Möglichkeiten)
  • es kommt nur so viel raus, wie man reingesteckt hat (immer, in einer Beziehung ebenso wie in der Arbeit)
  • Kultur muss stimmen (arbeite nur mit Menschen, die dich verstehen, mit denen Du auch ein Bier trinken willst)
  • wenn Du denkst es geht nicht mehr, dann kommt irgendwo ein Lichtlein her....
  • was immer Du kannst, beginne es!

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