DSTNCMP²² OPENING

AM 27. April 2022 VON WOLFGANG WEILER

Aus der Zukunft denken

WAS WAR DAS FÜR EIN AUFTAKT ZUM 12. DSTNCMP!

Die Sonne schien frühlingswarm. Wölkchen spiegelten sich zwischen den Ruderern und Seglern auf der Außenalster, während ab 16 Uhr die ersten der mehr als 200 Teilnehmer:innen des DSTNCMP22 sich im Foyer des Le Méridien in Hamburg akkreditierten. Allerdings nur gegen Vorlage von Impfausweis plus aktuellem Test plus Temperaturmessung plus Einchecken mit Corona-Warn-App und mit FFP2-Maske – in der Hansestadt gelten aktuell noch die strengen Hotspot-Regelungen der Corona-Verordnungen.

Zum vorerst letzten Mal trafen sich die Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol in Hamburg – so zumindest erfuhren sie es von Benjamin Buhl, dem Cheforganisator des DSTNCMP, beim Opening im Designhotel Le Méridien.

Das Tagungshotel direkt an der Alster war eine gute Wahl: Das neue Konferenzzentrum, das Heritage-Restaurant und die grandiose Rooftop-Bar mit Dachterrasse boten faszinierende und beflügelnde Ausblicke auf die Alster, die fünf hohen Kirchtürme der Stadt und einen strahlend blauen Himmel. Überall im Haus sorgten stilvolle maritime Elemente für zusätzliches hanseatisches Flair.

DIE PITCHES
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Zum Opening um 17.30 Uhr hatten sich 222 Teilnehmende im Raum silberstern im Erdgeschoss eingecheckt. Bernhard Lingg führte in seiner dynamisch bayerisch beschwingten Art in den Abend ein und machte die Teilnehmenden mit Organisation, Corona-Regeln und Programm des DSTNCMP22 vertraut.


Die Sponsoring-Partner durften jeweils 20 Sekunden lang für sich werben, bekamen von den netzvitamine-Geschäftsführern Benjamin Buhl, Stefan Möhler und Thorsten Reich ein Dankeschön-Präsent und von den Teilnehmenden viel Beifall für die langjährige Unterstützung.


Die Moderatoren und Moderatorinnen warben um Teilnehmer:innen für ihre Themen und Sessions an den beiden Workshoptagen und die sechs Finalisten des erstmals ausgelobten DSTNCMP-Preises für ihre Projekte: Im Elevator-Pitch konnten sie präsentieren, was sie auf Anregung aus vorangegangenen Jahren und WERKSCHAU-Ausgaben realisiert haben.

WER WOLLEN WIR GEWESEN SEIN?
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Dass nach fast zwei Stunden und trotz anstrengender Anreise danach noch alle aufmerksam Keynote-Speaker Harald Welzer lauschten, war dessen Beredsamkeit zu danken. Der Soziologe und Sozialpsychologe gilt als einer der streitbarsten Intellektuellen in Deutschland. Er ist Direktor von Futurzwei, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für eine zukunftsfähige, enkeltaugliche, offene Gesellschaft einsetzt. Kein Business as usual, sondern Postwachstum und Gemeinwohl-Ökonomie.

Sein Thema: "Transformation sehr gern – aber wohin? Wie Zukunft gedacht werden muss" fesselte gut 50 Minuten lang die Zuhörer. Seine Mahnung: "Wir kommen bei der Transformationsfrage nicht weiter, weil wir letztlich immer kommunizieren alles sei toll wie wir es jetzt haben, aber leider müssen wir noch irgendwas anderes machen – zum Beispiel dekarbonisieren."

Nicht E-Autos seien die Lösung, sondern ein neues Mobilitätskonzept könne sein, die Notwendigkeit für Mobilität zu verringern. Zum Beispiel könnte die Gemeinde einen lokalen Geschäftsinhaber bei der Miete unterstützen, um die lokale Versorgung so sicherzustellen, dass man nicht erst 20 Kilometer in den nächsten Supermarkt fahren muss.

Transformation kann nicht bedeuten, dass alles so bleiben soll, wie es jetzt ist, nur irgendwie mit weniger CO2.
Harald Welzer

Spannend wäre es, die Welt anders zu denken als sie sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt habe. Nur stünden dagegen "große Interessen" und "strukturelle Zwänge" die verhindern, dass Menschen aus dieser Entwicklung aussteigen wollen.

Die Lebenswelt heute sei "historisch ziemlich neu und total einzigartig". Das habe es in dieser Form noch nie gegeben. "Und wenn man so leben darf, dann hat man leicht die Vorstellung, eigentlich wird alles immer nur besser."

Doch – so Welzer – die "Krisen, die in immer kürzeren Abständen folgen, vermitteln gar nicht das Gefühl, dass es immer besser wird." Flüchtlinge, Klima, Finanzen, Corona, Krieg in der Ukraine. Was wäre wenn alle zusammenhingen mit dem "großen Thema der Zerstörung von Überlebensbedingungen?"

Sind diese Krisen ein Hinweis darauf, dass unsere Vorstellung, dass immer alles so weitergehe, gar nicht stimmt?

Transformation ist sehr viel weitergehender als die technische Frage, welches neue Feature wir entwickeln könnten.

AM ENDE IST ALLES EINE KULTURFRAGE
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"Und wenn ich Mitglied dieser Kultur bin, was möchte ich dazu beitragen?“ Unter Anspielung auf Futur II: "Wir nennen unsere Stiftung Futurzwei, weil das die vollendete Zukunft ist. Wir haben nämlich als Menschen die Fähigkeit, uns in eine Zukunft hinein zu entwerfen. Und von dort aus auf den Weg zurück zu blicken, den wir zurückgelegt haben, um in diese Zukunft gekommen zu sein. Wir müssen uns fragen: Wer will ich gewesen sein? Was soll mein Unternehmen mal gewesen sein?“

Wer die Frage so stelle, sei "überhaupt nicht an die Gegenwart gebunden", auch nicht an die "Ja, aber-" und "wir müssen doch-" und es "geht ja nicht anders-"Argumente.

Aber der Mensch braucht eine Zukunftsperspektive: "Ein Bild, von dem er selber ein Teil ist."

Ausklang mit Köstlichkeiten

Mit lang anhaltendem Applaus quittierten die DSTNCMP-Teilnehmenden die fulminante Tour d‘Horizon durch die gegenwärtigen großen Fragen der Gesellschaft.

Beim Dinner im Restaurant Heritage in der obersten Etage des Hauses waren die philosophisch-kritischen Betrachtungen der Gegenwartsprobleme noch lange ein Thema – bis Grauburgunder, Weißburgunder und Rosso Salentino zu Garnelenspießen, Rinderbug, Ziegenkäse, Tuna Tataki, Quinoa, Trüffel Orecchiete und Erdbeertrifle Zungen und Gaumen forderten.

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