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DestinationCamp "menschelt" - Tag 1 #DCHH18


am 25.05.2018 von Wolfgang Weiler

Der Mensch bleibt die wichtigste Stellschraube im Mensch-Maschine-System - so das Fazit des Eröffnungsabends beim 8. DestinationCamp.

Moderator Bernhard Lingg führ durch die Abendveranstaltung (c) netzvitamine und Johannes Leistner
Moderator Bernhard Lingg führ durch die Abendveranstaltung © netzvitamine & Johannes Leistner

Noch nie war die Eröffnung des DestinationCamp so überwältigend wie an diesem Freitag. Zumindest für mich. Noch nie in meinem Leben haben mir so viele Menschen gleichzeitig ein Geburtstagslied gesungen, schon gar keine 250 Teilnehmer des DestinationCamp. Die Touristiker, Experten und Vertreter aus Politik und Verwaltung trafen sich am 25. Mai zur Eröffnung der Kreativ- und Zukunftswerkstatt im Tourismus. Und ich bekam auch gleich 3, nein 4 AGM geschenkt - Analoge Glücklich Macher. Womit wir beim Thema dieses 8. DestinationCamp wären: Stellschraube Mensch.

Schon am Eröffnungsabend wurde deutlich, was bis Sonntag zu erwarten ist: Ein breites Spektrum an Diskussionen, Strategie-Ansätzen, konkreten Handlungstipps und vielleicht sogar Handreichungen aus der Praxis für die Tourismuspolitik (siehe Themen).

Ecce Homo - seht den Menschen

So titelte Martin Lennartz über seine Keynote. Er war Leiter strategische Unternehmensentwicklung bei Bertelsmann, Verlagsleiter der ZEIT, Geschäftsführender Redakteur der Badischen Zeitung, Vorstand einer Dienstleistungsagentur und versteht sich - seit etwa 15 Jahren freiberuflich - als Konstruktiver Irritierer.

Seine zitierten Zeitschriften- und Zeitungsschlagzeilen, die alle vor der Gefahr für Menschen und Arbeitsplätze durch Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Roboter warnten, waren nicht - wie vermutet - aus dem letzten Monat, sondern aus den Septemberausgaben von 1966 und 1980:

Seit es Menschen gibt, gibt es Technologieängste! Doch nicht die Technologie ist das Problem, sondern unsere mechanistische Sicht- und die ingenieurtechnische Vorgehensweise.

Könnendes Probieren

Planen und Analysieren seien hervorragend in Umgebungen, die von Stabilität, Wissen und erfahrener Prozesstechnologie geprägt sind. Wo hingegen Überraschungen der Normalfall sind - in den heutigen dynamischen und komplexen Situationen also - sei das Umfeld nicht berechenbar. Wir können die vielen und zum Teil unbekannten Einflussfaktoren nicht vollständig begreifen.

Unter den Bedingungen der Komplexität sei "Könnendes Probieren" die Strategie mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit. Das seit der Industrialisierung selbstverständlich gewordene Denk- und Arbeitsverständnis müsse durch eine experimentelle Grundhaltung ersetzt werden.

Wir müssen mit dem System tanzen lernen. Dazu brauchen Mitarbeiter mehr Freiheiten, aber auch Förderung und Führung durch Fordern. Fordert eure Leute mit spannenden Aufgaben, an denen sie wachsen können. Die Mitarbeiter sind die beste Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Zukunftsbewältigung.

Ohne Regionalligen - so der bekennende Fußballfan - gäbe es keine Bundesliga. Seinen Appell, offen zu sein für Neues, unterstrich der Keynotespeaker mit einem Zitat von Arthur Schopenhauer (1788-1860): "Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen."

André Kiwitz, Dirk Bremer und Gabriele Maessen in der Talkrunde (c) netzvitamine und Johannes Leistner
André Kiwitz, Dirk Bremer und Gabriele Maessen in der Talkrunde © netzvitamine & Johannes Leistner

Neue Player, neue Geschäftsmodelle

Die anschließende Talkrunde griff unter Moderation von Bernhard Lingg die Forderung nach einer Neuausrichtung von Arbeitsverständnis und -prozessen auf.

"Wir sind in und dank der Digitalisierung groß geworden, haben von ihr profitiert und Marktanteile von analogen Playern gewonnen", erklärte André Kiwitz, CEO von Ventura Travel. Er sagte aber auch "Ich weiß nicht, ob es in 10 oder 20 Jahren noch Reiseveranstalter geben wird."

Kiwitz hat daraus die Konsequenz gezogen und bietet rund um seinen ursprünglichen Südamerika-Nischenveranstalter Viventura motivierten Entrepreneurs ein Framework für könnendes Probieren. Die zentralen Dienstleistungen für IT, Marketing, Finance & Legal bietet für Ventura TRAVEL zentral für alle unter seinem Dach vereinten Veranstaltermarken an. Damit könnten sich hochspezialisierte Nischenveranstalter auch gegen die großen Konzernveranstalter behaupten.

VR wird ein Thema in den Sessions von Orlando Steiner und Gieri Spescha sein (c) netzvitamine und Johannes Leistner
VR wird ein Thema in den Sessions von Orlando Steiner und Gieri Spescha sein © netzvitamine & Johannes Leistner

Die Passion entscheidet

Dirk Bremer, Präsident des Travel Industry Club, konzedierte, dass die großen Veranstalter durch die schnellen Transformationserfordernisse der Digitalisierung mehr gefährdet seien, als spezialisierte Nischenveranstalter. Zum einen dauerten Entscheidungsprozesse in Konzernen zwangsläufig länger, zum anderen seien sie nicht so nah am Kunden, dass sie für ihn nicht durch KI und Bot-Kommunikation ersetzbar wären. Die Digitalisierung verändere die Travel Industry grundlegend.

"Neue Player, neue Geschäftsmodelle, Big Data: es wird sehr spannend," konstatierte Bremer. "Schon heute stellt die Passion eines Menschen, die Leidenschaft für sein Tun, den entscheidenden Unterschied zu Künstlicher Intelligenz dar. In fünf Jahren wird das noch viel deutlicher sein: Standardarbeiten werden durch KI abgelöst. Nur individualisiertes Wissen macht den Menschen wertvoller."

Unvergessliche Momente schaffen

Gabriele Maessen, Area General Managerin der Steigenberger Hotelgruppe, betonte ebenfalls die zentrale Rolle des Menschen in der Digitalisierung: "Je mehr digitalisiert wird, desto mehr werden wir von der Qualität der Arbeit unserer Mitarbeiter abhängen." Die Gastgeberin mit Leidenschaft will mit ihrem Team "als leidenschaftliche Gastgeber unvergessliche Momente für Gäste und damit eine emotionale Bindung zu schaffen".

Die Digitalisierung könne sogar helfen, neue Mitarbeiter zu finden, weil viele (ungeliebte) Tätigkeiten automatisiert werden könnten. Mitarbeiter müssten auf neue Anforderungen geschult werden und Verantwortung übertragen bekommen. Maessen: "Bei aller Automatisierung – es braucht Mitarbeiter, die das Ganze denken und steuern und die Gäste begeistern können."

Nach dem Pitch die Party

Dann hatten die 6 Moderatorenpaare jeweils 6 Minuten Zeit, ihre Themen für die jeweils 3 Sessions am Samstag vorzustellen und die Teilnehmer verteilten Herzchen für Ihre Lieblingsthemen oder Präsentationen oder Moderatoren-Paare.

Carola Thierheimer überraschte die Teilnehmer mit ihrer Gesangseinlage (c) netzvitamine und Johannes Leistner
Carola Thierheimer überraschte die Teilnehmer mit ihrer Gesangseinlage © netzvitamine & Johannes Leistner

Danach begann die Eröffnungsparty im Börsensaal: mit Wein aus Rheinland-Pfalz, Bier von Blockbräu, Solaris-Tee und Nemo’s Kaffee - hervorragend umrahmt von Vargos‘ Emotional Sound Design. Mit einer überraschenden Gesangseinlage vom Balkon begeisterten Carola Thierheimer und Peti van der Velde mit ihren Musical-Highlights die Gäste.

Aber was wäre die Party geworden ohne die erstklassigen Dinnerbüffets vom Blauen Hummer: Kalbskeule mit Papas Arrugadas und Vierländer Tomatensalat, aus dem Rohr gebackener Lachs mit Röstikruste und Wolfsbarsch auf mariniertem Linsensalat, Grünes Curry mit gebratenden Shiitakpilzen, Lachs-Bowl mit Soba-Nudeln, Süßkartoffel-Bowl mit Humus, Spinat-Lattugasalat-Bowl mit Honig-Karotten und Granatapfelkernen, Petersilien-Couscous mit Shirazisalat und und und.

Deutet sich da schon der Überraschungsabend vom Samstag an?

Jetzt erstmal die filmische Zusammenfassung von Tag 1

Die Videodokumentation 2018 wird am ersten Tag präsentiert von infomax websolutions, Traum-Ferienwohnungen und sleeperoo:

Und die ersten Fotos:

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